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New York verändert die Mode in der Schule

Als gesellschaftliche Hintergründe, die zur Entstehung des Punk beigetragen ha­ben, sind unter anderem eine hohe Arbeitslosigkeit in Zeiten der wirtschaftli­chen Rezession (insbesondere in New York), Übermilitarisierung und damit ver­bunden die Angst vor der Zukunft zu nennen. Besonders betroffen fühlten sich in den amerikanischen Metropolen die Schüler und Studenten der weißen Unterschicht. Die für die Entwicklungsgeschichte der Punkmode sowie zentralen Themen und Ereig­nisse können allgemein als Konsequenz der gesellschaftlichen Modernisierung angesprochen werden.

Die Mode der damaligen Schüler und Studenten hat sich in unterschiedlichen Spielarten (und je nach Land auf unter­schiedliche soziale Milieus bezogen) in der ganzen Welt ausgebreitet. In Deutschland waren es Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre primär Schüler aus gutbürgerlichen Elternhäusern, die sich mit dieser Jugendkultur identifizieren konnten. Es handelte sich vor allem in der BRD mehr um eine oppositio­nelle Mode als eine soziale Protestbewegung. Die unterschiedlichen Mode-Traditionen in den einzelnen Ländern stimmen jedoch in der Radikalität der Selbst-Expression überein.

Nach dem ersten Schock, den Punker in den Innenstädten Europas durch ihre Ästhetik der Feindschaft, des Asozialen, der Verwahrlosung und der Op­position zu dem, was ist, ausgelöst haben, tritt eine visuelle und soziale Gewöhnungen. Durch die ökonomische Aneignung zentraler Stilelemente der New Yorker (zunächst durch eine breite Masse an Jugendlichen, später durch die Modemacher der Haute Couture und damit durch die Modewelt der Erwachsenen) werden diese Elemente aus ihrem Ursprungszusammenhang heraus genom­men und dabei entschärft: Der Punk-Habitus ist in den Alltag der Schülermode eingegangen und hat längst seine provozierende Schärfe verloren. In Deutschland sorgte vor allem die Neue Deutsche Welle seit Anfang der 80er für Aufregungen.

Währenddessen hat sich in den USA die Kultur der Hippies weiterentwickelt. Darüber hinaus werden Stilelemente ethnischer Kulturen aufgegriffen und symbo­lisch verfremdet. Die Verbindung unterschiedlichster Modetraditionen von jungen Menschen zeigt sich beispielsweise in Ketten, Nieten und Lederjacken (siehe z.B. die Accessoires-Abteilung im Takko Onlineshop), die der Rocker- bzw. der Halbstarkenszene entnommen sind. Netzstrümpfe, Strapse, Stachelhalsbänder und Gummiwäsche verweisen auf das unsittliche Milieu und die SM-Szene. Richtet man den Blick auf den Umgang mit dem Körper in vielen Schulen, so ist eine massive Körperabwertung bis hin zur Selbstverstümme­lung zu beobachten.

Junge Mädchen zelebrieren nicht die Natürlichkeit des Körpers, sondern seine Künstlich­keit. Wichtig ist die radikale Negation der Hippie-Ästhetik, der Hippie wird bildlich gesehen auf den Kopf gestellt. Seine weichgezeichnete tannenbaumförmige Idealsilhouette verwandelt sich in eine hart kontrastierte mohrrübenförmige. Die Antihaltung zu den Hippies wird durch eine Aussagen der Zeitgenossen unterstrichen: „Ich hasse Hippies und alles wofür sie stehen.“ Man konstatiert der Punk-Kultur eine einengende Kleidermode (noch heute teilweise im Ann Christine Online Shop sehr gut zu beobachten) und damit ei­nen abwertenden Umgang mit dem eigenen Körper: Der Körper wird durch Reissverschlüsse, Ketten, Hosen und Lederjacken eingeengt. Schwere Militär­stiefel lassen die Füsse schwer werden und das Korsett erfährt in modifizierter Form eine Renaissance.

Die Negation des Körpers, die Visualisierung einer kaputten Welt am eigenen Leib zeigt sich am deutlichsten in der Körperverstümmelung. Das Gesicht wird mit Sicherheitsnadeln und Metallstäben durchbohrt. Insgesamt kann die Mode wie folgt zusammengefasst werden: Erlaubt ist was hässlich macht und die Gesellschaft schockiert. Ganz im Gegensatz zu vielen anderen Trends ist bei der Mode der Punks kaum eine Geschlechterdifferenzierung zu erkennen.