bleibt immer in unserer Erinnerung

Jahrgangsstufe 5/6

2.1.1 Die Erprobungsstufe – eine allgemeine Einführung
Die Erprobungsstufe besteht an allen weiterführenden Schulen aus den Klassen­stufen 5 und 6. Sie dient den SchülerInnen zur Orientierung an der neuen Schul­form und zur Erprobung ihrer Fähigkeiten.
Während der Erprobungsstufe finden in regelmäßigen Abständen Konferenzen aller in der Klasse unterrichtenden KollegInnen statt. Hier wird über den Leis­tungsstand, über evtl. Fördermaßnahmen und über spezielle pädagogische Problemstellungen bei einzelnen SchülerInnen diskutiert.
Den SchülerInnen und Eltern soll es ermöglicht werden herauszufinden, ob die Realschule die geeignete Schulform darstellt, um den für sie geeigneten Schul­abschluss zu erlangen.

Am Ende der Erprobungsstufe beschließt die Klassenkonferenz, ob die Schü­lerInnen an der Realschule verbleibt, oder an eine andere weiterführende Schul­form (i.d.R. die Hauptschule) abgegeben wird. Um die Entwicklung der Schüler über die gesamte Erprobungsstufe hinweg besser verfolgen zu können, wurde im Schuljahr 2005/06 ein standardisierter Beobachtungsbogen eingeführt.
2.1.2 Elterninformation zur Erprobungsstufe
Für die Eltern der GrundschülerInnen der 4. Klassen stellt sich jedes Jahr die schwierige Frage, an welche weiterführende Schule sie ihr Kind schicken sollen. In den meisten Fällen können sich die Eltern auf die Beratung durch die Grund­schullehrer­Innen verlassen.
Natürlich möchten sich viele Eltern aber auch ein persönliches Bild von den Möglichkeiten machen, die sich für das weitere schulische Fortkommen ihres Kindes anbieten.
Wir bieten daher für Eltern, die sich ausdrücklich für die ATR interessieren, ei­nen Elternabend in unserem Hause an. An diesem Abend kann ausführlich auf die Anforderungen an unserer Schule, die besondere Situation in der Erprobungs­stufe, auf die speziellen Fördermöglichkeiten, die regionalen Beson­derheiten (Hamborner Modell) und auf die individuellen Fragen der Eltern ein­gegangen werden.
Ergänzend hierzu ist der regelmäßig einmal im Schuljahr stattfindende Tag der offenen Tür anzuse­hen, der interessierten Eltern und SchülerInnen die Mög­lichkeit gibt, die zukünftige, oder bereits gegenwärtige Wirkungsstätte ihrer Kinder „im Betrieb“ kennen zu lernen. Diese Veranstaltungen werden so termi­niert, dass möglichst auch die zukünftigen SchülerInnen der ATR daran teil­nehmen können. Am Tag der offenen Tür finden einmal Unterrichts­veranstal­tungen in den Hauptfächern und in verschiedenen Nebenfächern der Jahrgangs­stufen 5 bis 7 statt, darüber hinaus wird das Ergebnis von projektorientiertem Arbeiten in den höheren Klassen vorgestellt, sowie Einblicke die Arbeit unserer Arbeitsgemeinschaften gegeben. Außerdem werden unterrichtsbezogene Vor­führungen der Fachräume (etwa Informatik, Chemie, Physik, Kunst) durchge­führt.

2.1.3 Informationsaustausch mit den Grundschulen
Im Rahmen der Zusammenarbeit mit den Grundschulen, die SchülerInnen an unsere Schule abgeben, laden wir im Herbst jeden Jahres KollegInnen der Grundschulen zu einem Erfahrungsaustausch, zur Diskussion pädagogischer Fragestellungen und zur Hospitation schwerpunktmäßig in den Hauptfächern in Klassen der Erprobungsstufe ein. Ziel dieser Veranstaltung ist es, dass die Kol­legInnen der Grundschulen Einblick in das Anforderungsprofil unserer Schule erhalten, um so die Eltern bei ihrer Entscheidung für eine weiterführende Schule qualifiziert beraten zu können.
Gleichzeitig wird eine Zusammenarbeit angestrebt, die es den Realschullehrer­Innen ermöglicht, das System der Grundschule besser kennen zu lernen.
Eine weitere Einladung an die LehrerInnen, von denen wir ganz sicher Schüler­Innen übernehmen, ist erst nach dem Anmeldeverfahren im Februar möglich. Eine Aussprache der abgebenden GrundschullehrerInnen mit den neuen Klas­senlehrerInnen an der ATR wird im Rahmen der Erprobungsstufenarbeit ange­strebt. Dabei ist es ein Ziel für uns, zu erfahren, auf welche Fertigkeiten und Techniken, die bereits in der Grundschule eingeübt wurden, wir bei unserer pä­dagogischen Arbeit zurückgreifen können.
2.1.4 Hospitation von LehrerInnen der ATR an Grundschulen
Um einen möglichst guten Übergang der SchülerInnen von der Grund- zur wei­terführenden Schule zu gewährleisten, finden im Rahmen der Erprobungsstu­fen­arbeit verschiedenste Maßnahmen statt. Unter anderem ermöglichen wir es den neuen KlassenlehrerInnen der 5. Klassen, an Grundschulen (vorrangig an denen, die an uns Kinder abgeben) zu hospitieren.
2.1.5 Rückmeldung an die Grundschulen
Es ist an unserer Schule bereits gute Tradition, dass wir nicht nur an der Schnitt­stelle des Überganges von der Grundschule zu unserer Schule mit den Grund­schulen Kontakt halten. Vielmehr erhalten die Grundschulen, die SchülerInnen an unsere Schule abgegeben haben, am Ende der Erprobungsstufe eine schriftliche Rückmeldung über den weiteren Werdegang der SchülerInnen (vgl. hierzu die angefügten Schreiben). Diese Rückmeldung dient den Grundschulen zu einer weiteren Optimie­rung ihrer pädagogischen Arbeit und damit auch zu einer Ver­besserung der Be­ratung beim Schulwechsel für kommende Klassen.
2.1.6 Unser Schulvertrag und unsere Hausordnung
Die Schule als Institution und die LehrerInnen sind auf die konstruktive Zu­sammenarbeit mit den SchülerInnen und den Eltern angewiesen. Um deutlich zum Ausdruck zu bringen, dass wir als Schule bereit sind, unseren Teil zur er­folgreichen Erziehungs- und Bildungsarbeit beizutragen, haben wir uns ent­schlossen, einen Schulvertrag einzuführen.
Er soll dabei andererseits auch die Verpflichtung der SchülerInnen und der El­tern verdeutlichen, dass sie ihr Interesse und ihren positiven Beitrag zum Schul­leben beisteuern müssen, damit wir an der ATR alle zufrieden und erfolgreich zusammenarbeiten können.
In unserem Bemühen, der Hausordnung, die es nun einmal wie an allen Schulen auch bei uns gibt, mehr Beachtung zu verschaffen, wurde diese im Schuljahr 98/99 neu gefasst und formuliert. Ein besonderes Interesse und Engagement ei­niger LehrerInnen galt in den letzten Jahren dem Bereich der sog. Drogenprä­vention. Hier wurden bei den betr. Kollegen durch Teilnahme an Fortbildungs­veranstaltungen und intensive Arbeit in der Schule Kenntnisse und Einblicke in mögliche Handlungsstrukturen erworben, die für den Bereich des Schulalltags das Erweitern der Hausordnung um diesen Problembereich ermöglichten. Dabei wurde besonderer Wert darauf gelegt, dass diese Hausordnung bereits in ihrer Aufmachung eine hohe Akzeptanz bei SchülerInnen und LehrerInnen gleicher­maßen erfährt.
Die Hausordnung wurde den Eltern bekannt gemacht, hängt in jedem Lehrer­raum aus und ist Bestandteil unseres Schulvertrages.
Seit dem Schuljahr 1999/2000 schließen wir diesen Schulvertrag mit allen Schü­lerInnen der Erprobungsstufe und deren Eltern ab.

2.1.7 Die Schulbroschüre
Seit dem Schuljahr 1999/2000 erhalten alle SchülerInnen der 5. Klassen zum Schulbeginn eine Broschüre, die unter anderem wichtige Informationen zur Schule und zur Klasse enthält. Sie wird ergänzt durch ein Kalendarium für das erste Schuljahr, die Haus­ordnung sowie das gedruckte Exemplar einer Kurzform des Schulvertrages, den die Schule mit den Kindern und deren Eltern abschließt (s. Schulvertrag).
Der sehr kostenintensive Druck dieser Schulbroschüre wird dankenswerter­weise von der Fa. ThyssenKrupp Printmedien übernommen.
2.1.8 „Wir sind ein Team“ : das Teamkonzept in der Erprobungsstufe
„Wir sind ein Team“- mit diesem Motto werden die Fünft-Klässler in den ersten Wochen immer wie­der konfrontiert.
Ein Team hält zusammen, es unterstützt sich gegenseitig. Die Mitglieder eines Teams kennen sich gut, kennen die Stärken und Schwächen des Einzelnen und können somit das gemeinsame Ziel besser erreichen.
Aber nicht nur die SchülerInnen sollten ein starkes Team bilden, sondern auch die Lehrer, die sie unterrichten.
Gerade die SchülerInnen einer fünften Klasse, die die behütete Zeit der Grundschule hinter sich gelassen haben, sind zunächst orientierungslos bezüglich des Ablaufs und der Organisation des Unterrichts an einer weiterführenden Schule. Ein neues Gebäude, neue Fächer, neue Regeln und so viele neue LehrerInnen.
An unserer Schule soll es den SchülerInnen leichter gemacht werden, sich schnell an die neue Schule zu gewöhnen.
Auch aus diesem Grund werden die SchülerInnen dieser Jahrgangsstufe von einem Lehrerteam unterrichtet. Dieses Teamkonzept beinhaltet, dass eine möglichst geringe Zahl von LehrerInnen parallel in verschiedenen 5er-Klassen eingesetzt wird, was manche Vorteile bietet:

– Die SchülerInnen lernen auch die Klassen- und Fachlehrer der Parallelklassen ken­nen.
– Es entwickelt sich ein Wir-Gefühl – wir Fünft-Klässler und unsere LehrerInnen.
– Eine intensivere Auseinandersetzung mit Problemen während der unterricht­lichen Tätigkeit in einer Erprobungsstufe ist gewährleistet.
– In regelmäßigen Teamsitzungen werden Erfolge und Probleme der pädagogi­schen Arbeit erörtert und fließen in die tägliche Arbeit mit den SchülerInnen ein.

So können wir erreichen, dass SchülerInnen und LehrerInnen miteinander lernen und ein starkes Team werden, das sich gemeinsam den Herausforderungen des Schulalltags stellt.

2.1.9 Besondere Fördermaßnahmen in der Erprobungsstufe
In den letzten Jahren hat sich die Ausgangssituation in der Erprobungsstufe so­wohl in Bezug auf den durchschnittlichen Leistungsstand als auch auf die Breite der Leistungsschere erheblich verschlechtert. Um dieser Entwicklung zu begeg­nen, bemühen wir uns verstärkt um zusätzliche Fördermaßnahmen, die die Chancen aller SchülerInnen auf eine ihren Fähigkeiten entsprechende Entwick­lung verbessern sollen.
Soweit es das Lehrerstundenkontingent erlaubt, wird der Unterricht in den Kern­fächern Deutsch, Mathematik und Englisch um eine Wochenstunde erweitert (5 Wochenstunden ).
In diesen Fächern soll nach einer Eingewöhnungs- und Beobachtungsphase we­nigstens eine Wochenstunde in klassenübergreifenden Differenzierungsgruppen gearbeitet werden, so dass schwache SchülerInnen zusätzliche Übungen machen können, während die leistungsstärkeren auf ihrem Niveau mit motivierenden Angeboten weiter gefördert werden, ohne dass die Weiterarbeit im Klassenver­band zusätzlich beeinträchtigt wird.
Langfristig ist abzusehen, dass über weitere Differenzierungsmaßnahmen nach­gedacht und beraten werden muss.
Im Schuljahr 2005/06 ist eine zusätzliche Förderstunde im Fach Deutsch eingerichtet worden, die differenziert nach 3 Leistungsgruppen durchgeführt wird.
2.1.10 Soziales Lernen / Lions Quest
Immer häufiger treffen wir auch an unserer Schule Kinder und Jugendliche an, denen es schwer fällt, sich in einer Gruppe zurechtzufinden und mit sich selbst und anderen adäquat umzugehen. Eine wachsende Zahl der Schüler hat im Umgang mit Gleichaltrigen und Erwachsenen Schwierigkeiten, geht mit ihren Gefühlen unangemessen um und scheint bezüglich ihrer Selbstwahrnehmung Defizite zu haben. Vielen Kindern und Jugendlichen fehlt ein gesundes Selbst-vertrauen, Einfühlungsvermögen, Rücksichtnahme und Konfliktfähigkeit. Nicht selten reagieren sie in unterschiedlichsten Situationen aggressiv oder zeigen andere soziale Auffälligkeiten.
Die ausschließliche Vermittlung von Fakten und Fachwissen reicht nicht mehr aus, um Schüler angemessen auf ihre Zukunft vorzubereiten. Auch im beruflichen Alltag werden zunehmend soziale und kommunikative Kompe-tenzen gefordert. Die Schule hat somit auch die Aufgabe, die Schüler verstärkt auf diese Anforderungen vorzubereiten und ihnen das diesbezügliche „Rüst-zeug“ zu bieten.

Soziales Lernen an der ATR

Schule kann nicht mehr ausschließlich als Ort der Wissensvermittlung und der vorberuflichen Qualifikation gesehen werden. Neben der Familie, die durch ihre veränderte Struktur als Ort sozialer Erfahrungen an Bedeutung abgenommen hat, hat sie den Auftrag, Wertvorstellungen und soziales Verhalten zu vermit-teln. Dies kann jedoch nicht nur ungeplant und nebenher geschehen.
Die August-Thyssen-Realschule hat daher ein Konzept entwickelt, das auf das Lions-Quest Programm „Erwachsen werden“ basiert und erstmalig seit dem Schuljahr 2005 in den fünften Klassen im Rahmen des Politikunterrichtes, den die Klassenlehrer durchführen, angewendet wird. Die wichtigsten Ziele der ausgearbeiteten Unterrichtsreihen sind die Förderung und Entwicklung der sozialen und kommunikativen Kompetenz. Sie sollen die Schüler langfristig befähigen, zunehmend eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen und umzusetzen, für Konfliktsituationen und Probleme positive Lösungen zu finden und somit ihr Leben verantwortlich in die Hand zu nehmen. Die Inhalte fördern zudem:

die Entwicklung eines gesunden Selbstvertrauens und Selbstwert-gefühls durch Bewusstmachung und Anerkennung ihrer persönlichen Fähigkeiten
die Wahrnehmung und Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen und denen der anderen
die Einbindung in eine Gruppe Gleichaltriger und die Fähigkeit zur Solidarität auch mit Andersdenkenden und Menschen fremder Kulturen
die Fähigkeit, Kontakte aufzunehmen, Freundschaften aufzubauen und Beziehungen einzugehen
die Kritikfähigkeit gegenüber sich selbst und der Gruppe, um negativem Gruppendruck leichter widerstehen zu können
die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen und sich zu engagieren
Enttäuschungen und Rückschläge zu verarbeiten

Ich und meine neue Gruppe – Ein Thema in den 5er Klassen

Der Wechsel auf die neue Schule, in eine neue Klasse ist nicht für alle Kinder unproblematisch. Einige gewöhnen sich schnell an die neue Umgebung, die neuen Mitschüler, die neuen Lehrer und neuen Anforderungen. Aber vielen machen diese Veränderungen zu schaffen. Sie fühlen sich unsicher. Manches klappt nicht so wie gewohnt oder gewünscht. Die Reaktionen auf diese Unsicherheit können unterschiedlich sein: Manche Schüler vergessen vieles, können dem Unterricht nicht gut folgen oder geraten in Auseinandersetzungen mit Mitschülern oder Lehrern.
Um den Schülern den Schulwechsel zu erleichtern, liegt ein Schwerpunkt unserer Arbeitsphasen des sozialen Lernens in der gezielten Förderung der Klassengemeinschaft. Dabei werden den Schülern zunächst Übungsfelder geboten, ihre neuen Mitschüler intensiv kennen zu lernen und Anschluss in einer Klassengemeinschaft zu finden, in der sich alle wohl und sicher fühlen und mit Freude und Erfolg lernen können. Ausgewählte Aufgaben und spielerische Übungen in kleinen Gruppen oder auch in großen Runden helfen den Kindern, mehr von den Eigenschaften und Vorlieben der anderen zu erfahren und andere Meinungen nicht als Kritik oder Angriff zu verstehen. So lernen sie angemessen miteinander umzugehen und sich gegenseitig zu respektieren. Zudem entwickeln sie selbstständig Regeln, die für eine freundliche Atmosphäre und ein gutes Lernklima in der Klasse unumgänglich sind.
Die einzelnen Unterrichtssequenzen werden einstündig pro Woche durch die Klassenlehrer begleitet und in regelmäßig stattfindenden Teamsitzungen ausge-wertet. Der „Grundlagenarbeit“ in den fünften Klassen sollen weitere, alters-gemäße Unterrichtsreihen in den kommenden Jahrgangsstufen folgen.

2.1.11 Kennenlerntag und Eingewöhnwoche
Vier Jahre Grundschule. SchülerInnen haben „ihre“ Erfahrungen gesammelt und entwickelt.
Mit dem Übergang zur weiterführenden Schule sind LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern gespannt, mit wem sie es in der nächsten Zeit zu tun haben werden. Der Eintritt in die Erprobungsstufe ist mehr als der Beginn eines neuen Schuljahres, alles ist neu.
Ein Prozess der Harmonisierung muss beginnen, um förderliche Sozialisationsstrukturen zu gestalten. Eine gezielte pädagogische Begleitung und Einflussnahme hat von der Schule einzusetzen, damit aus unsicherem Unbekannten in einer klar gestalteten Kennenlernphase Bekanntes sich entwickelt.
Eine „gesunde Schullaufbahn“ an der weiterführenden Schule zu ermöglichen, heißt, auf die heutige Schulrealität einzugehen. Den Problemen wie fehlende Lernmotivation, Leistungsversagen, mangelnde Konzentrationsfähigkeit, Unterrichtsstörungen, Gewalt, Suchtverhalten oder Störungen im sozialen Umfeld müssen KlassenlehrerInnen im Team mit den Fachlehrern begegnen.
Das gegenseitige Kennenlernen und das Erkunden der neuen Schule darf nicht zufällig verlaufen, Phasen des Zusammenfindens sind, auch unter Mitarbeit der Eltern, zu planen und zu gestalten. Solch ein Weg zur Klassengemeinschaft wird nicht frei von Störungen sein, bildet aber die erste Grundlage für eine erfolgreiche Klassengruppe.
Der Kennenlerntag

Nach Abschluss des Anmelde- und Aufnahmeverfahrens kann die Bildung der neuen Klassen 5 konkret geplant werden.
Ca. einen Monat vor Ende des Schuljahres werden Kinder und Eltern eingeladen zum Kennenlerntag. An diesem Nachmittag erfahren
die Kinder

– in welcher Lerngruppe sie nach den Sommerferien arbeiten werden,
– wer ihre MitschülerInnen sind,
– wo sich die Lehrerräume befinden und wie sie aussehen,
– wer ihre KlassenlehrerInnen sein werden,
– erste Interessensschwerpunkte ihrer MitschülerInnen bei gemeinsamen Spielen,
– sich im neuen Schulgebäude zu bewegen;

die Eltern

– mit welchen anderen Eltern sie ihre Kinder im neuen Schuljahr begleiten werden,
– Informationen zur Schule:

Daten
Unterrichtsangebot
Außerschulische Maßnahmen
Schulbücher
Fahrscheine
Schülerausweis
Warenverkauf
Schulordnung
Förderverein
Einschulung.

Die Elterninformationen mit Gedankenaustausch gestaltet in lockerer Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen der zweite Konrektor.
Die Eingewöhnwoche

Die ersten Tage an der neuen Schule leiten und gestalten in erster Linie die KlassenlehrerInnen.
Ziele sind,

– sich gegenseitig in der Klasse kennen zu lernen,
– auf gemeinsames Tun Wert legen,
– Verantwortung für sich und die Klasse zu tragen.

Wichtig ist, bei den Eltern Verständnis für die neue Situation der Kinder an der weiterführenden Schule zu wecken, sie über Probleme in Übergangssituationen zu informieren und sie zur aktiven Gestaltung des Schullebens zu motivieren.
Gestaltung der ersten Schultage

1. Tag

– Begrüßungsfeier (festlicher Rahmen),
– Stundenplan,
– Bücherausgabe,
– Materialliste,
– Schulbroschüre mit Schulvertrag.<

Die Arbeit an den Folgetagen steht unter den Themen:

– Bildung einer Klassengemeinschaft,

Übergang,
Kennenlernen,
als Gruppe auftreten und handeln.

Informationen, Ideen und Anregungen sowie Regeln, die erörtert, besprochen und bearbeitet werden können:

– Wichtige Informationen, die unsere Neuen erhalten sollten:

Stundenplan,
Fächer,
Lehrerinnen,
Fluchtwege,
Materialien für die erste Woche,
Materialien für die Projektwoche,
Einführung eines Hausaufgabenheftes,
Stühle hochstellen,
Ordnungsdienste,
Hausordnung,
Verkehrserziehung,
Müll,
Bücher (einbinden),
Vorstellen, wenigstens mit Namen,

– Einige Ideen und Anregungen:

Was ist eine Klasse? Was ist unsere Klasse?
Realschule? (Mind Mapping)
Rituale aus den alten Schulen,
Regeln für den Umgang miteinander (Kreisgespräch, Sitzkreis, Lied einüben, Spiele),
Vorstellrunde,
Namensschilder
Kennenlernspiele (Postkarten oder Partnerinterview mit jemandem, den er/sie noch nicht kennt: Welchen Namen, welche Hobbys, welche Schulfächer, wie viel Geschwister, welche Lieblingsgruppe, welche Haustiere traue ich dem anderen zu?
Fotos machen,
für jede Schule einen Kreis aus Kordeln legen – später zusammenknüpfen zum Netz,
Begehung der Schule oder Schulspiel,
Abschluss Blitzlicht: Wie geht es mir jetzt? Welche Befürchtungen habe ich vielleicht? Was wünsche ich mir für die nächste Zeit“,
Pläne schmieden.

– Klassenraum:
Im Schuljahr 2005/06 ist zunächst für die Dauer dieses Schuljahres das Klassenraum-Prinzip zugunsten des Lehrer-Raum-Prinzips aufgegeben worden. Im Laufe dieses Jahres sollen Erfahrungen auf Seiten aller Beteiligten gesammelt werden, um dann zu einer neuen Entscheidung kommen zu können.

– Regeln für unser Zusammenleben:

Gruppengefühl: Wir und ich,
im Mittelpunkt stehen / im Hintergrund stehen,
laut und leise,
bewegt und still,
Verantwortung tragen für mich, für andere, füreinander.

– Spielen/Singen:

Sitzkreis und dessen Organisation,
Blitzlicht (wie fühle ich mich, Zulassen von Emotionen, Rücksichtnahme, Verständnis einüben),
Konzentrationsspiele,
spielerische Einübung von Gesprächsregeln (Spiegeln,..) Gruppenspiele und Konkurrenzspiele,
Rollenspiele.

– Arbeitsformen:

Einzelarbeit,
Partnerarbeit,
Gruppenarbeit anhand von praktischen Aufgaben,
Rollenspiele.

Wichtige Hilfen bei der Planung der Eingewöhnwoche bieten:

– Fiebig / Winterberg: Wir werden eine Klassengemeinschaft (Soziales Lernen in der Orientierungsstufe),
Verlag an der Ruhr, 1998
– Fiebig / Winterberg: Wir übernehmen Verantwortung in der Klassengemeinschaft,
Verlag an der Ruhr, 1999
– H. Klippert: Teamentwicklung im Klassenraum,
BELTZpraxis 1998
– H. Klippert: Methodentraining,
BELTZpraxis 1994
– H. Klippert: Kommunikationstraining,
BELTZpraxis 1995

2.1.12 Klassenfahrten in der Jahrgangsstufe 5
Nach der Kennenlernphase zu Beginn der Jahrgangsstufe 5 folgt schon sehr bald (möglichst noch im 1. Halbjahr der Klasse 5) eine einwöchige Klassenfahrt.
Diese Woche dient in erster Linie dazu, durch Spaß und Spiel die Klassenge­meinschaft zu fördern und soziale Kompetenzen zu erlangen.
Bei der thematisch gestalteten Woche sollen die Kinder ohne schulischen Druck ihre eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten entdecken und weiterentwickeln. Die gemeinsame Arbeit an einem spiel- und erlebnispädagogischen Projekt bietet die Möglichkeit, Vorurteile abzubauen und Toleranz zu üben.
Zur Zeit führt die ATR solche Wochen in Zusammenarbeit mit dem Hötzenhof in Uedem durch. Hier steht das Erleben und Leben mit den Tieren im Vordergrund.
2.1.13 Vorlesewettbewerb Jahrgangsstufe 5/6
Jedes Jahr nimmt der komplette 6. Jahrgang am Vorlesewettbewerb des deut­schen Buchhandels teil. Zunächst liest dabei jeder Schüler und jede Schülerin in seiner Klasse einen Ab­schnitt aus seinem/ihrem „Lieblingsbuch“ vor und die Klasse wählt gemeinsam mit dem Deutschlehrer die beiden besten Vorle­serInnen aus, die dann ihre Klasse bei der Schulausscheidung repräsentieren. Dort kürt ein Gremium, bestehend aus allen DeutschlehrerInnen der 6. Jahr­gangsstufe, nach einer weiteren Leserunde den Schulsieger. Die­ser darf dann die August-Thyssen-Realschule in der nächsten Runde auf Stadtebene vertre­ten. Dort sind die Anforderungen dann allerdings ein wenig höher, denn alle SchülerInnen müssen in dieser Runde auch Abschnitte fremder Texte vorle­sen. Doch die Mühe lohnt sich, denn auf allen Ebenen werden die SiegerInnen mit Urkunden und kleinen Buchgeschenken bedacht.
2.1.14 Handlungsorientiertes Lernen auf dem Ingenhammshof
Im Rahmen des Biologieunterrichts verbringen die SchülerInnen der 5. Klassen einen Schultag auf dem Ingenhammshof in Duisburg-Meiderich. Auf diesem Lernbauernhof lernen sie die Arbeitsabläufe , die einen Bauernhof prägen, ken­nen und werden selbst aktiv.

Dabei haben folgende Gesichtspunkte eine wesentliche Bedeutung:

Die SchülerInnen übernehmen typische Aufgaben eines Bauern. Unter An­leitung bereiten sie das Futter zu und füttern die Tiere. Sie bringen die Tiere auf die Weide und säubern die Ställe.
Die SchülerInnen lernen mit allen Sinnen. Sie kommen mit den Tieren in en­gen Kontakt und können deren Eigenarten und Bedürfnisse kennenlernen.
Durch weitgehend selbstständige Arbeit in Kleingruppen wird soziales Ler­nen unter den SchülerInnen gefördert.
Die SchülerInnen lernen, sich mit ihren Ängsten und Abneigungen gegen­über Tieren und der Stallarbeit auseinanderzusetzen.
Kognitives Wissen wird vertieft und erweitert.
Die SchülerInnen erhalten Anregungen, sich mit Fragen der Verantwortung für Tiere und der artgerechten Tierhaltung zu beschäftigen.

Die auf dem Hof gewonnenen Erkenntnisse werden im anschließenden Unter­richt aufgegriffen und reflektiert.